Wissenschaftliche Veranstaltungen

Lektüre: Die Ermahnungen Kātyāyanas und die Folgen – Texte zur buddhistischen Deutung des „Ist“

Do 7.9., 28.9., 19.10., 9.11., 30.11., 21.12.
18.15–21 Uhr (mit halbstündiger Pause)
Dr. habil. Hermann–Josef Röllicke
Kyōsei–Saal

Schriften vom Typ des Kātyāyanāvavāda [Die Ermahnungen Kātyāyanas], Pāli: Kaccāyanagotta-sutta, dokumentieren eine bestimmte indische Deutung des allen indoeuropäischen, aber nicht allen Menschheitssprachen gemeinsamen Wortes „ist“ (bzw. „sein“) und ihm verwandter Formen durch den Buddha. Er lehnt in solchen Schriften alle Äußerungen in Gestalt von „ist“- und „ist nicht“-Sätzen ab. Aus der Unrichtigkeit solcher Sätze, wie sonst die Welt sie spricht, erkennt er vielmehr die radikale Bedingtheit und Abhängigkeit aller dharma und damit ihre Nichteigenheit, ihre Entleerung von „Eigenwesen“. So wenig man hiernach rechtens sagen kann, dass etwas „ist“, so wenig kann man sagen, dass es „nicht ist“. – Offenbar kollidiert das hier wirksame Verständnis von „ist“ scharf mit demjenigen, das uns aus der europäischen Philosophie seit Parmenides (ca. 520–460 v. Chr.) bekannt ist. In ihr ist das „Ist“ unlösbar verbunden mit der Möglichkeit verlässlicher, göttlicher und nicht von Menschen nur gemeinter, nur behaupteter, nur Geltungsansprüche stellender („doxischer“) Wahrheit. In dieser Lektürerunde wollen wir den Folgen der buddhistischen Deutung des „Ist“ durch eine Reihe von Schriften und ihre Übersetzungen nachspüren und dabei mit Nāgārjunas „Madhyamika“-Erörterung beginnen.

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