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Symposion: "Verehrung und Blasphemie im Theater"

foto symposium

Fr–So 31.3.–2.4., EKŌ–Saal

Beginn: Fr 31.3., 15.00 Uhr, Ende: So 2.4., gegen 12.30 Uhr
Anfragen bei Dr. habil. Hermann–Josef Röllicke,
Tel.: 0211–577918-214 (DW), Email: roellicke AT eko-haus.de

Das Theater kennt überall auf der Welt das Umschlagen eines Erscheinenden in sein Gegenteil oder ein unerwartetes Anderes. Szenen der Verehrung und des Lobpreises schlagen um in solche der Blasphemie, ein ernster Charakter erscheint in seiner Parodie, Momente der Trauer gehen zusammen mit Szenen voller Komik. Solche „Alternanzen“ können sich simultan in einer Szene abspielen oder als Parallelereignisse in verdoppelten Räumen inszeniert sein. Was eine Figur im Spiel in Wahrheit war, offenbart manchmal erst ihre Wandlung in ein vorher unerkennbares Gegenteil. Auch das Ganze des Handlungsgeschehens kann sich auf eine alles entscheidende Peripatie zuspitzen, wie in der attischen Tragödie oder im japanischen Nō und Kabuki. – Es ist eine Frage, ob solche Alternanzen nicht Zeugnisse der ursprünglichen Herkunft des Theaters aus dem Ritus seien. Die Aufspaltung in die Sphären hie der Bühne und da des Publikums trennt die Zuschauer vom Handlungsereignis selbst ab. Ihr Verhältnis wird zu einem bloßen Ursache-Wirkungs-Verhältnis von Augenblicks-Affekten. Es verändert, wie Goethe erkannte, den zum Zuschauer Gewordenen nicht, wie es das göttliche Ereignis in einem Ritus an jedem Teilnehmenden tut. Auch die verstörte moderne Behauptung, Kunst entstehe im Kopf des Betrachters, scheint gerade diesen Grund verloren zu haben.

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